Waldbaden: Ab unter die Bäume!

Living Haus Blogtext - Waldbaden

Waldbaden: Was da vor einiger Zeit aus Japan zu uns herüber schwappte, löst eine wachsende Welle der Begeisterung aus. Gesundheitsbewusste gehen in den Wald und die Tourismusbranche hat das Ganze als Trend erkannt und kreiert entsprechende Erholungsangebote. Die ersten Bücher dazu sind auf dem Markt, die VHS bietet Veranstaltungen an – und man kann sich vielerorts zum zertifizierten Kursleiter für Waldbaden ausbilden lassen. Eine Bestandsaufnahme.

 

Waldbaden in aller Munde

Wenn wir „Waldbaden“ googeln, bekommen wir in 0,38 Sekunden satte 666.000 Ergebnisse. Ganz oben die Amazon-Anzeige über Bücher zu dem Thema und im Ranking weit oben berichtet die „Zeit Online“ über das „Waldbaden als Medizin“, an anderer Stelle „Spiegel Online“. Wenn die großen und angesehenen deutschen Magazine übers Waldbaden berichten, muss es sich um eine wichtige Sache handeln.

 

Gesundheitsprävention in Japan

Auch eine „Definition von wissenschaftlicher Seite“ wird von Google angezeigt. Wir klicken. Finden hier aber keine Definition. Der nächste Versuch bringt uns weiter. Auf der Seite www.im-wald-sein.de lesen wir: „Shinrin Yoku ist eine in Japan allgemein anerkannte und staatlich geförderte Maßnahme zur gesundheitlichen Prävention. Mittlerweile gibt es dort 63 Waldheilungszentren, in denen man unter Anleitung von medizinisch geschulten Shinrin Yoku Guides in den Wald eintauchen kann, um sein Wohlbefinden und seine Gesundheit zu stärken. Waldbaden ist die deutsche Übersetzung von Shinrin Yoku.“

 

Sport im Wald: gut!!

Entstanden ist die Waldbaden-Bewegung in Japan bereits anno 1982. In der Zeit war ich selbst auch viel im Wald. Beim Wandern, Laufen und Radfahren war ich unter und zwischen den Bäumen in meinem Element. Und keine Frage: Es hat unheimlich gut getan. Welchen Anteil daran jeweils der Sport an sich und die grüne Umgebung mit sauerstoffreicher Luft gespielt haben, weiß ich nicht. Ist auch egal. Damals hat einfach das Gesamtpaket gestimmt.

 

Im Wald baumelt die Seele

Beim Waldbaden soll sportliche Betätigung praktisch keine Rolle spielen. Langsames Gehen ist genauso ok wie Stehen, Sitzen – oder sogar das Liegen in einer Hängematte, die ein spezielles Hotel für seine Waldbadegäste unter den Baukronen in der Umgebung aufhängt. Es geht darum, die Seele baumeln zu lassen und die wohltuende Wirkung des Waldes zu empfangen.

 

Waldbaden überall

Die Hotellerie, Tourismusverbände, Naturheilvereine, Volkshochschulen und viele sonstige Institutionen klären übers Waldbaden auf und bieten es an. Es gibt „Waldbaden im Schwarzwald“, im Taunus, im Laubacher Forst und auch im Living Haus Bundesland Hessen wird man selbstverständlich zum Waldbaden eingeladen: waldbaden-in-hessen.de

 

Gesundheitliche Wirkungen?

Weil ich weder Mediziner noch Psychologe bin, werde ich mich davor hüten, hier eine Meinung über die gesundheitlichen Wirkungen des Waldbadens zu äußern. Da soll sich jeder selbst seine Meinung darüber bilden. Genügend Websites und Bücher dazu findet man ja wie gesagt.

 

Kursleiter mit Zertifikat

Zum Schluss nur noch dies: Als Kursleiter für Waldbaden kann man wohl Kohle machen. Sonst gäbe es wahrscheinlich nicht so viele Ausbildungsangebote. Die reichen – ebenfalls mal schnell gegoogelt – von einer „1-Jährigen Weiterbildung in Ritualarbeit und Prozessbegleitung in der Natur“ mit Abschlusszertifikat über eine „praxisorientierte und abwechslungsreiche Ausbildung zum/r Kursleiter/in für Waldbaden“ mit Kursleiter-Zertifikat bis hin zur Waldbaden Ausbildung „Zertifizierter Waldbademeister“.

 

Der Waldbademeister

Waldbademeister. Das wär‘ vielleicht was. Da muss man sich nicht, wie der arme Bademeister im Schwimmbad den ganzen Tag mit wildgewordenen Teenagern und schreienden Kindern beschäftigen. Es stinkt nicht nach Chlor im Wald. Und man bekommt weder einen Sonnenbrand noch –stich. Wenn also die Kohle stimmt? W-A-R-U-M N-I-C-H-T!?!?

 

Falls wir diesen Weg in den Wald gehen werden, berichten wir. Falls nicht. Dann nicht.

 

Bildquelle:
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Norbert Weimper

Baufachjournalist, fasziniert von alten Burggemäuern – und Verfechter des zeitgemäßen Holzfertigbaus.
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