Smaland, Wien, oder ins magische London? – 5 Lesetipps für den Spätsommer und Herbst!

Living Haus Blogtext - Lesetipps 2019

Lesen, lesen, lesen. Egal wie voll mein Terminplan ist, derzeit bin ich im absoluten Lesefieber und verschlinge ein Buch nach dem anderen. Meist mehrere gleichzeitig. Der Bücherstapel zuhause wechselt ständig, unterwegs darf ein Buch sowieso niemals fehlen.

Das nehme ich nun zum Anlass, einige meiner liebsten Bücher der letzten Zeit vorzustellen und zu empfehlen. Auch, wenn da eine Auswahl eigentlich schier unmöglich ist.

„Das Buch ist die Axt für das gefrorene Meer in uns.“ Franz Kafka

Margaretza Strömstedt: „Astrid Lindgren. Ein Lebensbild“

Mit diesem Buch begann ich, mich auch für Biografien zu begeistern. Kein Wunder, es ist einfach zu schön. Keine sachliche Beschreibung von Astrid Lindgrens Leben. Nein, es zeigt höchst interessant und bewegend ihr Werden und Leben, was kein einfaches war, die Geschichte ihrer Vorfahren, das starke Verhältnis zu ihrem Vater, die prägende Kindheit in Smaland. Außerdem gibt Strömstedt einen guten Einblick in das Bauernleben in Smaland Anfang des 20. Jahrhunderts.

Die Familie nahm immer einen hohen Stellenwert für Astrid Lindgren ein, Kinder spielten immer eine besonders große Rolle für sie. Sie engagierte sich im fortschreitenden Alter immer mehr, für Kinder, für die Umwelt, für benachteiligte Menschen, und ebnete den Weg zu einer gewaltfreien Erziehung. Nach und nach entsteht ein immer klareres Bild von ihr.

Es ist eine Hommage an eine großartige Frau, Schriftstellerin, Lektorin, Aktivistin und so vieles mehr.  Strömstedt verbindet immer wieder die Lebensgeschichte mit Lindgrens Werken, sodass es häufig durchscheint, wie stark ihre Figuren und Geschichten und ihr eigenes Leben miteinander verbunden sind.

 

Benedict Wells: „Vom Ende der Einsamkeit“

Dies ist das zweite Buch, das ich in kurzer Zeit von Benedict Wells gelesen habe. „Fast genial“ ist ein ebenfalls sehr lesenswertes Buch des deutsch-schweizerischen Schriftstellers.

Es ist die Geschichte von Jules, dessen Eltern in einem Autounfall ums Leben kommen, als er elf Jahre alt ist. Wie danach das Leben von ihm und seinen zwei Geschwistern weiter verläuft, beschreibt Wells in diesem eindringlichen, intensiven Roman. Mitsamt einer sanften, wunderschönen Liebesgeschichte, vor allem aber einer Geschichte über drei Geschwister, deren Beziehung sich im Laufe des Lebens stark verändert, die aber durch ihr gemeinsames Schicksal immer eng verbunden sind. Und genau das auch nach und nach erkennen.

Benedict Wells geht unter die Haut! Und zeigt, dass trotz widriger Schicksalsschläge das Leben lebenswert ist.

 

Ben Aaronovitch: „Die Flüsse von London“

Hier nun etwas ganz anderes: „Die Flüsse von London“ bildet den Auftakt der spannenden gleichnamigen Urban-Fantasy-Reihe des britischen Autors Ben Aaronovitch.

Ihr mögt Fantasy, Spannung, etwas Düsternis? Falls nicht, könnt ihr diesen Absatz überspringen. Peter Grant ist Police Constable in London, mit einem starken Talent für Magie. Dieses wird sogleich von seinem Vorgesetzten Thomas Nightingale entdeckt, Polizeiinspektor und zugleich auch letzter Zauberer Englands. Kurzerhand nimmt er Peter als seinen Zauberlehrling auf. Nun, das macht Peters Leben um einiges komplizierter, er hat von nun an das Vergnügen sich mit Vampiren herumzuschlagen, Leichen in Covent Garden auszugraben oder zwischen dem befeindeten Themsegott und der Themsegöttin zu vermitteln. Und der ganze Papierkram erst!

Harry Potter ist erwachsen geworden und zur Polizei gegangen? So könnte sein Leben dann aussehen. Sicher, Harry Potter besucht von klein auf eine Zauberschule, aber ihr wisst schon, was ich meine. Und doch ist „Die Flüsse von London“ noch einiges düsterer und brutaler, aber auch humorvoller als bei Harry Potter. Man sollte nicht nur Fantasy etwas abgewinnen können, sondern auch schwarzem Humor.

 

Petra Hartlieb: „Meine wundervolle Buchhandlung“

Eine geschlossene Traditionsbuchhandlung kaufen? In Wien, obwohl man in Hamburg lebt. Nein, das ist keine Schnaps-, sondern eine super Idee! So dachten sich Petra Hartlieb und ihr Mann. Nachdem sie auch noch den Zuschlag bekamen, kündigten sie von einem auf den anderen Tag ihren Job und zogen mit Familie kurzerhand nach Wien, ohne einen konkreten Plan, ohne zu wissen, was auf sie zukommt, in einer fremden Stadt.

Schlagfertig und humorvoll erzählt Petra Hartlieb ihre eigene Geschichte und die ihrer Buchhandlung. Als Leser fühlte ich mich als Teil dieser Geschichte, dieser zauberhaften Buchhandlung, fühlte mich mittendrin in diesem bunten Geschehen der Buchhandlung, die zum Wohnzimmer für Hartlieb und ihre Familie wurde, und zum Treffpunkt für die Nachbarschaft.

Trotz harter Arbeit lebt sie ihren Traum, und das merkt man. Voller Lebenslust ist das Buch eine Liebeserklärung an die Welt der Bücher.

Nach Wien möchte ich eh gerne mal, da darf ein Besuch in der Hartlieb Buchhandlung natürlich nicht fehlen.

 

Ruth Ozeki: „Geschichte für einen Augenblick“

„Hallo! Ich heiße Nao, und ich bin ein Zeitwesen. Weißt du, was ein Zeitwesen ist? Wenn du einen Moment hast, erzähl ich es dir.“

So beginnt das Tagebuch des japanischen Teenagermädchens Nao, das eines Tages am Strand einer kanadischen Pazifikinsel angespült wird. Und sogleich von der Inselbewohnerin Ruth entdeckt wird. Ruth ist Autorin und hat vor Jahren ihr buntes Leben in New York gegen das ruhige Leben mit ihrem Mann Oliver auf der abgeschiedenen Insel eingetauscht. Inmitten einer Schreibblockade hadert sie derzeit selbst mit sich, als ihr das Tagebuch in die Hände fällt.

Zunächst noch zögerlich lesend, gerät sie rasch immer tiefer in den Bann von Naos Geschichte. Schnell beginnt sie mit Nachforschungen über das Mädchen und ihre Familie. Stets besorgt, ob sie noch lebt, sich umgebracht hat oder im Tsunami ums Leben kam.

Es gibt wirklich harte Themen: Mobbing, Selbstmord, Zweiter Weltkrieg, Umweltverschmutzung (Müllkrise im Pazifik) oder die Fukushima-Katastrophe. Einige Szenen nehmen den Leser stark mit und lassen ihn erschüttert zurück. Auf der anderen Seite geht es um Zen-Philosophie, Alltag und Kultur in Japan und die Kraft und Verbindung innerhalb der eigenen Familie.

Die japanisch-amerikanische Ruth Ozeki hat ein ganz fantastisches, spannendes und ergreifendes Buch geschaffen, das den Leser von einer Seite zur nächsten fesselt und somit Teil der Geschichte werden lässt. Die Ruth im Buch fühlt mit Nao, der Leser von „Geschichte für einen Augenblick“ fühlt mit beiden, Nao und Ruth. Vor allem aber mit Nao, die eindeutig als Protagonistin im Vordergrund steht. Ihre Urgroßmutter, eine buddhistische Nonne, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Geschickt werden verschiedene Geschichten ineinander verwoben, von verschiedenen Perspektiven betrachtet und es entsteht ein immer ganzheitlicheres Bild von Naos Leben.

Mit 559 Seiten ist das Buch nicht dünn, aber ich las gebannt jede einzelne Seite bis zum Ende. Und es wird noch lange nachklingen.

  

Auch wenn der Sommer allzu schön ist, mit guten Büchern liest es sich ja auch gut durch den Herbst. In einer Kuschelecke in eurem Zuhause!

 

Bildquelle:
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